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4.Rundbrief

Autor: Friederike | Datum: 12 April 2010, 11:03 | 126 Kommentare

Ich merke gerade, dass sich mein Rundbrief noch mehr verspaeten wird, daher stelle ich ihn schon mal fuer alle mit internetverbindung auf den blog, damit wenigstens ein paar schon mal meine ostergruesse empfangen koennen... nur die bilder sind dann glaub ich nicht drin.Ihr Lieben!Es ist mal wieder viel passiert und in diesem Rundbrief moechte ich euch mitnehmen auf meine (bzw. Simones und meine) Rundreise durch Tanzania und Teile Kenias. Anlass war unser Zwischenseminar in Arusha und so verbrachten wir mehr oder weniger 1 Monat „on the road“. Vor der Abreise war noch vieles zu erledigen, es war eine relativ stressige Zeit und ich hatte wirklich das Gefuehl, etwas Urlaub/Abstand zu brauchen, rauszukommen und andere Teile dieses Landes zu sehen. (Vielleicht wird euch diese Karte ein bisschen helfen, unseren Weg nachzuvollziehen).Am 11.2., ein Mittwochabend, bestiegen wir das Schiff, das ueber Nacht nach Mwanza, an die suedlich Spitze des Vitkoriasees brachte. Abgesehen davon, dass unsere Schlafkabine genau neben den Schiffsmotoren lag, kamen wir auch recht ausgeschlafen um 6h in der Frueh in Mwanza an.  Mwanza ist eine der groessten Staedte in Tanzania und wir bekamen erst mal einen kleinen ‚Flash’, als wir die super geteerten Strassen sahen mit Buergersteigen und sogar Muelleimern. Bisher war Bukoba immer DIE Stadt fuer uns gewesen, aber auf unserer Reise ist uns immer mehr bewusst geworden, dass Bukoba eigentlich Provinz ist. Klugerweise  hatten wir beide unseren Reisefuehrer vergessen und so waren wir immer wieder auf den Orientierungssinn von Einheimischen angewiesen.Von dem heissen Mwanza aus ging es weiter mit dem Bus nach Musoma, dort, wo die Sonne uber dem Viktoriasee untergeht (ich erlebe leider immer nur Sonnenaufgaenge). In Musoma empfing uns Lene, eine Voluntaerin aus Deutschland, mit der wir zusammen unseren Kiswahili-Sprachkurs gemacht haben. Es war einfach total interessant eine andere Voluntaersstelle mit Arbeitsplatz und Lebensumfeld zu erleben (und in den naechsten Wochen sollten wir noch mehr sehen). Wir haben ganz viel ‚chipsi mayai’ (Pommes mit Ei) gegessen, die an jeder Strassenecke hergestellt werden, und einen traumhaften Sonnenuntergang am Strand erlebt. Unser naechstes Ziel war Nairobi, was eindeutig der abenteuerlichste Teil unserer Reise werden sollte. Allein schon die Fahrt in einem der Nachtbusse war so eine Sache fuer sich. Wir wollten um 20h starten, sollten um 4h in Nairobi ankommen. Um 20h sassen Simone und ich im Bus, Sitzplaetze ganz vorne, und da fing der Fahrer erst mal an neben dem Fahrersitz den ‚Boden aufzureissen’, bzw. den Motor zu oeffnen und Wasser reizukippen, waehrend er gleichzeitig bei angezogener Handbremse aufs Gaspedal drueckte. Es wurde so etwas von heiss, wir haben uns schon ueberlegt, wie wir im Notfall aus dem Bus entkommen koennten. Irgendwann haben sie dann wohl bemerkt, dass die 2 Weissen dort vorne wohl etwas unruhig werden und uns andere Sitzplaetze gegeben. Um kurz nach 21h konnte es dann auf einmal losgehen. Wir haben an jeder Strassenecke wie so ein Shuttlebus gehalten und wurden immer mal wieder von naechtlichen Polizeitkontrollen auf der Strasse gestoppt. Trotz dieser Umstaende und anfaenglicher Verspaetung kamen wir schon um 3h nachts in Nairobi an – jetzt kann man sich ausrechnen mit welchem Tempo wir durch die Geg end gebrettert sind... Mitten in der Nacht gestrandet in Nairobi ist auch nicht allzu romantisch und so blieben wir erst mal wie alle anderen bis 5h im Bus sitzen. Die naechste Herausforderung war einen halbwegs vertrauenswuerdigen Taxifahrer zu finden und mit der fuer uns unbekannten kenianischen Waehrung zu handeln. Leider kannte der von uns auserwaehlte Fahrer unser YMCA-Hostel nicht wirklich und so landeten wir erst mal in einer mega noblen und teuren Safarilodge. Als wir endlich das YMCA gefunden hatten, wurde uns zunaechst gesagt, dass gar keine Zimmer mehr frei seien, was sich zum Glueck spaeter als falsch herausstellte... 2 Tage verbrachten wir in Nairobi, hier ein paar Eindrueck stichwortartig von dieser riesigen Stadt: gross,  viele Autos und traffic jams, alle Leute laufen in schicker europaeischer Kleidung rum, busybusy-Atmosphaere, Palmen und Wolkenkratzer, alle reden Englisch und staunen ueber unser Kiswahili, Fastfoodketten – wenn man aus Bukoba kommt ist es wie in einer anderen Welt.Am zweiten Tag wurden wir von einem Mitarbeiter des YMCA mitgenommen nach Kibera, ein Stadtteil von Nairobi und gleichzeitig einer der groessten Slums. Es war ein riesiger Kontrast zu dem Rest von Nairobi und ich bin sehr froh, dass ich nicht nur die schicken Hochhaesuer gesehen habe. Es war auch interessant die Armut bzw. Probleme, Lebensumstaende von Kibera mit denen von HUYAWA, meiner Arbeitsstelle, zu ‚vergleichen’.Ueber eine der staubigsten Strassen, vorbei an Steppe und Masaai, die mit ihren Viehherden umherziehen, gelangten wir schliesslich nach Arusha, wo wir fuer das Zwischenseminar in einer sehr schicken Lodge mit grosser Anlage und SwimmingPool untergebracht waren. Es gab so viel und unterschiedliches Essen (einen Abend z.B. Fleisch von Bueffel, Gazelle und Warzenschwein), dass mein Bauch erst mal total gestreikt hat und ich 3 Tage gar nichts gegessen habe... Auf dem Seminar haben wir uns mit 16 Freiwilligen aus Tanzania und auch Kenia getroffen, um zunaechst einmal unsere erste Haelfte zu reflektieren. Ich erinnere mich, dass ich kurz nach meiner Ankunft hier gesagt habe, dass ich mindestens gerne diese 3 Dinge lernen moechte: Kochen, Singen und Kiswahili. Mit dem Kochen klappts gut, zumindestens beschweren sich die Leute nicht, die mitessen; mit meinem Kiswahili bin ich auch zufrieden und beim Singen wuerde ich gerne jetzt noch die 2. Stimme singen lernen (bin mir aber nicht so sicher, ob das klappt, weil unser Chor gerade in einer nicht so guten Verfassung ist).
Anschliessend ging es um Ziele fuer die 2.Haelfte und wir haben ueber bestimmte Themenbereiche wie Entwicklungspolitik, kulturelle Unterschiede etc. diskutiert. Einen Abend hiess es „was ist eigentlich los in Deutschland?“ und wir bekamen halbwegs aktuelle Zeitungen aus Deutschland, auf die wir uns alle gestuerzt haben. Man lebt schon irgendwie wie unter einer Glocke was Nachrichten angeht. Es ist nicht so, dass es keine Zeitungen, Internet und Radio gibt, aber irgendwie bin ich so beschaeftigt mit anderen Dingen, dass ich weder Zeit noch Interesse habe (ich bin mir aber ziemlich, dass sich das in Deutschland schnell wieder aendern wird!).
Mir persoenlich haben besonders die Gespraeche mit den anderen Freiwilligen gutgetan und sich auszutauschen, wie wir mit bestimmten Situationen umgehen. Besonders gefreut habe ich mich auch mal wieder so richtig zu lachen und alle Witze zu verstehen, denn in Bukoba werden doch die meisten Witze auf Kihaya gemacht, der Stammessprache der Region.
Ein paar Tage nach dem Seminar folgte einer unserer Hoehepunkte der Reise: eine richtig ‚klassische‘ Safari in den Nationalpark von Arusha (der Kilimanjaro ist echt beeindruckend!), Lake Manyara und Ngorongoro-Krater. An diesem Tagen haben wir so unglaublich viel gesehen an Natur und Tierwelt, das kann ich jetzt gar nicht alles hier auf- und beschreiben. Ich beschraenke mich daher auf ein paar Eindruecke zum Ngorongoro-Krater, den ich persoenlich am tollsten fand: 7h morgens, wir brechen auf Richtung Krater mit unserem tollen Safariauto, bei dem man im Stehen aus dem Dach gucken kann. Zunaechst erklimmen wir den Kraterrand, der zu dieser Uhrzeit in dicken Nebelwolken liegt. Unser einheimischer Fahrer ist schon voller Vorfreude, er liebt diesen Vulkankrater, denn ‚hier koennen sich die Tiere nicht verstecken“  (es leben bis zu 25 000 Grosstiere auf dieser vergleichsweise kleinen Flaeche). Der Moment, als wir in den Krater hineinfahren, ist auf jeden Fall einer der Schoensten. Wir blicken auf eine hellgruene Rasenflaeche, den schimmernden See, im Hintergrund die hohen Kraterwaende, dazu das Morgenlicht, das in aufsteigenden Nebelschwaden in den schoensten Pastellfarben gebrochen wird. Das Licht ist auf jeden Fall einer der tollsten Effekte und lasst sich eigentlich nicht mit der Kamera einfangen. Entlang der Kraterwaende haengen die weissen Schaumwolken, brechen in der Mitte des Kraters auf und hinterlassen ein wunderschoenes Schattenspiel auf dem Boden. Vor dieser Kulisse posieren die unterschiedlichsten Tiere. Gleich zu Beginn empfaengt uns eine Gnuherde, am Wegrand wartet ein Busshard. Zebras kann man am Wegrand streicheln, besonders suess sind die Kleinen mit den noch braunen Streifen. Warzenschweine buddeln ihr Loecher, Unmengen von Gazellen und Antilopen sind zu sehen. Unsere Stoerche scheinen hier zu ueberwintern (die Gluecklichen!) zusammen mit Kronkranichen, Perlhuenern und weiterem Gefieder. Ab und zu stolpert eine haessliche Hyaene ueber dem Weg und in etwas weiterer Ferne laesst sich ein Einzelgaenger names Nashorn erkennen. Ein besonders schoenes Bild geben die Elefanten, mit ganz viel Glueck erwischen wir einen Geparden, der sich gerade auf Beutefang macht. Schliesslich entdecken wir auch die Loewen, die sich laut Fahrer 20 Stunden pro Tag im hohen Gras einfach nur ausruhen (die verbleibenden 4 Stunden gehen sie jagen). Der schon von weitem salzig riechende See schillert mit vielen pinken Flamingos traumhaft in der Sonne. Die Luft ist wunderbar klar und wenn falls ihr mitlerweile den Eindruck habt, dass ich nur so rumschwaerme, dann muss ich sagen, dass man sich in diesem Krater wirklich ein bisschen wie im Garten Eden vorkommt.Das muss jetzt aber auch zu der Safari reichen – unsere nacheste Station war Lutindi, ein kleines Dorf mit einer Psyachtrie in den Usambarabergen und gleichzeitig Zuhause von Eva, der 3. Deutschen VEM-Voluntaerin hier in Tanzania. In dieser einen Lutindi – Woche waren wir wandern in den Bergen, haben die sagenhafte Aussicht genossen, ein Chameleon auf der Hand gehalten, auf dem Bauernhof mitgeholfen und gemolken, uns in der Sisalwerkstatt (Beschaeftigungstherapie) ausprobiert, lecker gekocht z.B. Kokusnusspfannkuchen, sind durch Teefelder spaziert, in eine Fledermaushoehle geklettert und ich habe meinen 1.Film seit einem halben Jahr gesehen. Es war eine richtig erholsame Urlaubswoche und ich habe die Gemeinschaft sehr genossen. Uebrings, ich dachte immer, dass in den Usambarabergen die Usambaraveilchen nur so wuchern wuerden, das stimmt allerdings gar nicht.Irgendwann hiess es dann leider raus aus dieser Idylle und den Heimweg antreten. Drei aufeinanderfolgende Tage sassen wir im Bus und auf dieser Fahrt habe ich oefters mal angefangen zu beten. Auch wussten wir machnmal wirklich nicht mehr, wo wir als naechstes hin mussten, aber jedes wurde uns ein/e unglaublich hilfsbereite/r Tanzanier/in ueber den Weg geschickt. Einer der schoensten Momente war auf jeden Fall der, als ich wieder nach Hause zurueckgekommen bin und ich sage ‚nach Hause‘, weil es sich wirklich so angefuehlt hab. Schon auf der Reise habe ich immer wieder SMS bekommen, wann ich denn endlich zurueckkomme oder ob ich schon ganz nach Deutschland gereist sei. Folglich war es eine richtig grosse Wiedersehensfreude!!
Im Nachhinhein hat mir dieser eine Monat Abstand sehr geholfen meinen Einsatzort verbunden mit Menschen und Umgebung zu reflektieren. Ich habe gemerkt, wie sehr ich dieses Stueckchen Erde und vor allem die Menschen, die Wahaya, hier lieb gewonnen habe. Verglichen mit anderen Staemmen emfpinde ich die Wahaya als unheimlich offen, gastfreundlich und voller Lebensfreude. Da wo Wahaya sind, da ist Stimmung, und woran kann man das besser erkennen, als wenn angefangen wird zu trommeln und alle, ob jung oder alt, loslegen zu tanzen.
Jetzt bin ich schon seit ueber 2 Wochen wieder hier ich merke, wie die Zeit einfach nur rennt. Ostern naht, aus diesem Grund habe ich mit den Schuelern mit Filzstiften 40 Eier angemalt. Letzte Woche wurden diese dann versteckt, gesucht, gefunden und uebergluecklich in den Mund gestopft – Ostereier gibt es hier naemlich eigentlich nicht. Ich hoffe, dass dieser Rundbrief noch vor Ostern in euren Briefkaesten landet und wuensche euch daher ein froehliches und gesegnetes Osterfest! Danke, dass ihr mich in Gedanken und Gebeten begleitet und danke fuer alle Mails, Briefe und SMS, ueber die ich mich immer wieder riesig freue!Viele liebe Gruesse,eure Friederike

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