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Notfall

Autor: Friederike | Datum: 03 Februar 2010, 06:48 | 53 Kommentare

Wenn man mit HUYAWA auf die Doerfer faehrt, dann hoert man viele traurige Geschichten und sieht viel Elend. Ich moechte euch mal an der Situation einer bestimmten Familie Teil haben lassen, die uns alle hier sehr! mitgenommen und schockiert hat.

Im Dezember erreicht uns die Nachricht, dass es einer bestimmten Familie, oder besser gesagt Kindern, aus Itongo, einem etwas weiter entfernten Dorf, wirklich sehr schlecht gehe. Letzte Woche haben wir sie dann besucht. Das ist die Lage:

Die Mutter hat mitlerweile den 3.Mann geheiratet, die ersten beiden sind schon gestorben. Mit diesem 3. Mann hat sie ihr 7. Kinder gekriegt, das erst ein paar Monate alt ist. Wir vermuten, dass sie allerdings schon wieder schwanger ist. Die anderen 6 Kinder (wobei sie ungefaehr jedes Jahr eins bekommen hat), sind von den ersten beiden Ehemaennern. Als sie nun neu geheiratet hat, hat sie die 6 Kinder einfach zurueckgelassen, der Aelteste ist 11. Sie leben in einem Haus/Huette, das klein, dunkel und dreckig ist. Auch die Kinder sind einfach nur dreckig, da kann man fast den Dreck vom Kopf abscharben. Eins der Kinder ist 8, sieht allerdings aus wie 3. Letztes Jahr hat er angefangen zu laufen. Er wiegt 10kg. Ein anderes Kind wiegt 7 kg, kann kaum stehen, so kraftlos ist es. Die Haende und Fuesse der Kinder sind voller dieser  Sandfloehe. Das Essen besteht aus ein paar mickrige Bananen, wenn die Mama nicht vorher schon gekommen ist, um sich das Essen zu holen.

Ich habe  zwar mitlerweile schon viele arme und hungrige Kinder gesehen, aber einen Zustand wie bei denen noch nicht. Allen hat es erst mal die Sprache verschlagen, ich haette auf der Stelle anfangen koennen zu weinen. Die Mutter wurde geholt und dann haben wir ihr gezeigt, wie man Kinder waescht. Anschliessend haben wir ein spontanes Nottreffen mit den Leitern des Dorfes und einem Lehrer gemacht, um zu beratschlagen, wie es weitergehen soll. 2 der Kinder hatten sehr hohes Fieber und so haben wir entschieden sie zusammen mit der Mutter und dem Baby mit nach Bukoba zu nehmen und ins Krankenhaus zu bringen. Fuer die Kinder war es die erste Autofahrt in ihrem Leben, dementsprechend hat sich das eine Kind in meinem Arm festgekrallt.
Jetzt sind sie hier im Krankenhaus, bekommen Medikamente und vor allem Essen, was jeder von uns mal kocht und ihnen bringt. Man braucht die Kinder gar nicht zu fuettern - die Haende sind einfach schneller und stopfen sie sich alles in den Mund. Der Mutter scheint das alles irgendwie immer noch relativ egal zu sein, ich frage mich, was in ihr vorgeht. Wurde sie vielleicht selber so behandelt? Hat sie irgendwelche Probleme mit dem Kopf (obwohl der Verstand eigentlich voll da ist)?  
Wenn wir sie wieder zurueckbringen, treffen wir uns noch mal mit dem Dorfvorstand oder auch anderen Personen in Leitungspositionen, um zu beratschlagen, wie jetzt die Dorfgemeinschaft mit diesem Fall umgeht und sich um die Kinder kuemmert. Ich habe mal ein paar Fotos auf den Blog gestellt von den Kindern - man kann sich das sonst einfach nicht so richtig vorstellen.

Ja, das ist die 'Geschichte', die uns hier im Moment sehr bewegt.
Ansonsten laeuft das Leben hier so vor sich hin, es ist UNHEIMLICH heiss geworden. Selbst Tanzanier hier vor Ort sagen mit, dass diese Hitze fuer Bukoba eigentlich nicht normal ist. Von daher - waehrend ihr im Schnee versinkt, schwitzen wir hier... :-) Im Moment zaehlen ich die Tage, bis wir (simone und ich) zum Zwischenseminar aufbrechen werden. Bei dieser Gelegenheit werden wir dann auch mal ein bisschen mehr von Tanzania sehen und darauf freue ich mich schon wahnsinnig!!! In diesem Sinne, einen ganz lieben Gruss an alle, die mich mit Interesse, Gedanken und Gebeten begleiten! Eure Frida

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